Volkach (gws) – Ernst Schüler, einer der Pioniere der Mainschleifenbahn ist am Sonntag (12.4.) im Alter von 85 Jahren in Hilden (NRW) verstorben. Als ehemaliger DB-Baubezirksleiter war er im wahrsten Sinn des Wortes ein „Mann vom Fach“. Ohne ihn gäbe wohl keine Bahn nach Volkach mehr.
Schüler lernte die Strecke bereits im Rahmen seiner Ausbildung zum Technischen Bundesbahninspektor kennen, als er eine Bestandsaufnahme von Durchlässen und Kunstbauwerken machen musste. Viele Pläne aus dem Jahr 1973 tragen seine Unterschrift. Nach der klassischen, damals noch umfangreichen DB-Ausbildung zuerst als Aufsichts- und Bremsbeamter, Fahrdienstleiter und schließlich als Sachbearbeiter für Brücken- und Tiefbau war Ernst Schüler ab 1981 Baubezirksleiter Bad Neustadt.
In diese Zeit fiel der Lückenschluss zwischen Mellrichstadt und Meiningen, eine herausfordernde Aufgabe, auf die er zurecht immer stolz war. Nach einer heute unvorstellbar kurzen Bauzeit von knapp einem Jahr, rollte dort am 28.9.1991 wieder ein Zug von West nach Ost. Es war aber auch die Zeit, als er zusehen musste, wie „seine“ Strecken nach Bischofsheim, Bad Königshofen und Fladungen stillgelegt wurden. Damals zeigte Schüler viel Verständnis für Eisenbahnfreunde, die diese Bahnen noch einmal mit Foto oder Filmkamera dokumentieren wollten. Die Strecke nach Fladungen konnte schließlich als Museumsbahn erhalten werden. Initiator des „Rhönbähnles“ war der damalige Landrat Dr. Fritz Steigerwald. Bei diesem ehrgeizigen Vorhaben konnte er sich stets auf die fachliche und ideelle Hilfe von Ernst Schüler verlassen.
Durch die Bahnreform bedingt, wechselte Schüler 1997 als „Technischer Amtsrat (Bau)“ nach Würzburg und war dort bis 2000 u.a. Planer für die Fachbereiche Oberbau und konstruktiver Ingenieurbau.
Seinerzeit gelang es einem der Initiatoren der damaligen IG Mainschleifenbahn, ihn zu überzeugen, die Reaktivierungsbemühungen der seit 1997 stillgelegten Volkacher Strecke zu unterstützen. Dabei bewährte sich Schülers nüchterner Blick auf den Gleiskörper ebenso, wie sein großes Eisenbahner-Netzwerk. Mit strengen Augen sahen sich er und einige Kollegen vor Ort um und halfen ein realistisches, finanziell darstellbares Konzept für die Wiederinbetriebnahme der Trasse zu erarbeiten. Ohne diese fachlich fundierten Vorarbeiten wäre die Reaktivierung durch Förderverein und Betriebsgesellschaft nie realisierbar gewesen. Von Schüler stammte u.a. die Idee, die fehlende Anschlussweiche zunächst auszuklammern. Dafür sollte ein Haltepunkt am Streckenende gebaut und mit einem neuen Weg an den Bf. Seligenstadt angebunden werden.
Als es später an den Wiederaufbau der Strecke ging, hatte er den Mut, einfache, funktionale und vor allem aus schmalen Geldbeuteln finanzierbare Lösungen vorzuschlagen und später auch umzusetzen – mit Mut und Fachkenntnissen, die heute selten geworden sind. Den „Männern vom Bau“ zollte er dabei stets hohe Achtung. Sein schier unerschöpfliches Wissen teilte Ernst Schüler gerne mit jedem, der bereit war es anzunehmen und sich unter seiner Obhut gewissenhaft in die Materie einzuarbeiten.

Nachdem die Mainschleifenbahn 2003 als vollwertige NE-Bahn zugelassen war, erstellte Ernst Schüler nach seinem bewährten Schema ein umfangreiches Inspektionskonzept. Bis vor zu seinem Wegzug war er regelmäßig vor Ort: bei Streckengängen und Befahrungen stets die Gleislage im Blick, dazu Weichenmessungen, Kontrollen der Bahnübergänge bis hin zu Spurrillen und Pfeifftafeln und vieles mehr. Seine DB-Kollegen aus den jeweiligen Fachbereichen übernahmen ehrenamtlich die regelmäßig anstehenden großen Prüfungen von Bahnübergangstechnik, Durchlässen, Erdbauwerken, Gleisvermessung und der Prosselsheimer Bahnbrücke. Alles dokumentierten sie professionell nach DB-Standard, auch wenn hier die einfacheren Regeln für nicht-staatliche Eisenbahnen (NE) galten.
Gewissenhaftigkeit gehörte zu Ernst Schülers eisernen Grundsätzen, auch wenn dies den Mainschleifenbahner oft viel Arbeit abverlangte – und manchmal auch schmerzhafte Investitionen. Das, was der Franke beschönigend „Grawitschko“ nennt, gab es mit ihm nicht. Sicherheit stand stets an oberster Stelle! Bei allem war „der Ernst“ stets ein freundlicher, hilfsbereiter, grauhaariger Herr, der meist geräuschlos im Hintergrund arbeitete und der immer wieder seinen feinen Humor spüren ließ.
Ernst Schüler wurde 1940 in Rothausen (Lkr. Rhön-Grabfeld) geboren. Altersbedingt zogen er und seine Frau vor einigen Jahren von Ebenhausen an den Wohnort ihrer Tochter – oder wie er immer zu sagen pflegte, in den „Wilden Westen“. Auch aus der Ferne hielt er weiterhin Kontakt und interessierte sich für alles rund um die Mainschleifenbahn. Dort, in Hilden im Kreis Mettmann (NRW) ist er am 12. April nach kurzer Krankheit friedlich eingeschlafen. Ernst Schüler wird vielen Mainschleifenbahnern, Eisenbahnfreunden und sicher auch vielen seiner DB-Kollegen in guter Erinnerung bleiben.